GOÄ-Infothek | 01.04.2020

Was ist für die Abrechnung von Videosprechstunden zu beachten?

Welche Besonderheiten müssen vorliegen um einen Patienten ausschließlich telemedizinisch zu behandeln? Worauf sollten Sie in dieser besonderen Situation achten? 

Aufgrund der aktuellen Pandemie mit SARS-CoV 2 kann nun auch der erste Arzt-Patienten-Kontakt in der Videosprechstunde stattfinden.

 

Videosprechstunde

Welche Besonderheiten müssen vorliegen um einen Patienten ausschließlich telemedizinisch zu behandeln?

Die MBO-Ä erlaubt eine ausschließliche Fernbehandlung nur dann, wenn es im Einzelfall ärztlich vertretbar ist und „die erforderliche Sorgfalt insbesondere durch die Art und Weise der Befunderhebung, Beratung, Behandlung sowie Dokumentation gewahrt wird und die Patientin oder der Patient auch über die Besonderheiten der ausschließlichen Beratung und Behandlung über Kommunikationsmedien aufgeklärt wird."
Vor Behandlungsbeginn muss der Patient auf die Unterschiede zum persönlichen Kontakt hingewiesen werden. Im Anschluss sollte die Aufklärung über die Besonderheiten der Fernbehandlung dokumentiert werden. Ebenso sollte dokumentiert werden, warum lediglich die Fernbehandlung in diesem Einzelfall ärztlich vertretbar war, um im Zweifelsfall auf diese Dokumentation zurückgreifen zu können.
Aufgrund der aktuellen Pandemie mit SARS-CoV 2 kann nun auch der erste Arzt-Patienten-Kontakt in der Videosprechstunde stattfinden.

Welche Leistungen können erbracht und abgerechnet werden?

Die Gebührenordnung selbst kennt (noch) keine Abrechnungsziffern für telemedizinische Behandlungen. Auf Grund der räumlichen Entfernung zwischen Arzt und Patient können allerdings nur solche GOÄ Ziffern in Ansatz gebracht werden, die die Anwesenheit des Arztes und des Patienten in einem Raum nicht zwingend voraussetzen.

Abrechnungsmöglichkeiten

Hinsichtlich der Vergütung und ihrer Höhe sind die Ärzte an die GOÄ gebunden. Bei der Videosprechstunde gilt, wie bei allen Leistungen, die nicht in der GOÄ abgebildet sind, dass sie nach einer Leistung analog abgerechnet wird, die ihr nach Art-, Kosten- und Zeitaufwand gleichwertig ist (siehe Analogabrechnung, § 6 Abs. 2 GOÄ).

Folgende GOÄ-Ziffern kommen vor allem in Betracht:

1 analog Beratung mittels Videosprechstunde
3 analog Eingehende, das gewöhnliche Maß übersteigende Beratung – mittels Videosprechstunde
34 analog Ausführliche Erörterung (20 Minuten) mittels Videosprechstunde
4 analog Erhebung der Fremdanamnese mittels Videosprechstunde
849 analog Aufklärendes ärztliches Gespräch (verbale Intervention) mind. 20 Min. mittels Videosprechstunde
5 Symptombezogene Untersuchung
60 Konsil
Zuschläge A-D und K1 (die Voraussetzungen für die Zuschläge müssen erfüllt sein)

 

Die Beratungsziffern können abgerechnet werden, da hier auch die Beratung mittels Fernsprecher genügen würde und keine persönliche gleichzeitige Anwesenheit von Arzt und Patient erfordert.
Auch bei der Erhebung der Fremdanamnese ist die persönliche gleichzeitige Anwesenheit in der Praxis von Arzt und Bezugsperson nicht notwendig. Sie kann daher ebenfalls über die Videosprechstunde erfolgen.

Die symptombezogene Untersuchung muss nicht analog abgerechnet werden. Vielmehr kann die Ziffer originär angesetzt werden, denn sie verlangt nicht notwendigerweise die physische Anwesenheit des Patienten. Hier kommt es auf den Einzelfall an. Ist es aus medizinischer Sicht ausreichend, die symptombezogenen Untersuchung mittels Videosprechstunde zu realisieren, kann die Ziffer abgerechnet werden. Sollte hingegen der Untersuchungsvorgang eine persönliche Anwesenheit des Patienten erfordern, da z.B. eine Auskultation durchgeführt werden muss, scheidet die Videosprechstunde schon aus fachlicher Sicht aus.

Zur Beratung und Untersuchung, kommen auch die Zuschläge A bis D und K1 zum Zug. Die Voraussetzungen für die Zuschläge sind allein die jeweils genannten Leistungszeiten bzw. das vollendete Lebensjahr des behandelten Kindes.

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