GOÄ-Infothek | 01.07.2021

Die GOÄ-Ziffer 4: Wann und wie?

Die Berechnung der GOÄ-Ziffer 4 wirft immer wieder Fragen auf. Hier bekommen Sie Antworten.


Was genau bedeutet die Leistungslegende?

Angegeben als Leistung ist: Erhebung der Fremdanamnese und / oder Unterweisung und Führung der Bezugsperson. Das heißt: Die Berechnung ist auch möglich, wenn nur eine der beiden Leistungen erbracht wurde. Sie ist aber immer nur einmal berechenbar, also auch wenn beide Leistungsinhalte erbracht wurden. Eine Mindestzeit muss nicht beachtet werden. Sollte sich aber z. B. die Erhebung der Fremdanamnese als überdurchschnittlich zeitaufwendig erweisen, kann dies über den Steigerungsfaktor honoriert werden.


In welchen Fällen ist die GOÄ-Ziffer 4 anrechenbar?

Der Leistungslegende lässt sich nicht entnehmen, dass die Leistung nur abgerechnet werden kann, wenn es sich um Angehörige von Kindern, bewusstseinsgestörten Patienten oder Unfallpatienten handelt. Entsprechend dem Grundgedanken des Verordnungsgebers sollte die Anamneseerhebung oder Unterweisung der Bezugsperson jedoch mit einem gewissen Maß an Schwierigkeit und Aufwand verbunden sein. Die Altersgrenze, ab der ein Kind sowohl selbst beraten werden als auch eine Unterweisung der Bezugsperson nötig sein kann, wird bei sechs Jahren gesehen.


Kann die GOÄ-Ziffer 1 neben der GOÄ-Ziffer 4 berechnet werden?

Laut Bundesärztekammer ist das möglich, wenn sich nicht sämtliche Bestandteile der Leistung an ein und dieselbe Person richten, z. B. bei Mutter und Kleinkind oder Betreuer und schwerstkommunikationsgestörtem Patienten.


Kann bei der Behandlung von Säuglingen und Kleinkindern grundsätzlich die GOÄ-Ziffer berechnet werden?

Das LG Karlsruhe urteilte bereits 2001, dass bei der Behandlung eines Säuglings oder Kleinkinds die GOÄ-Ziffer 4 statt der GOÄ-Ziffer 1 nicht regelhaft abgerechnet werden kann. Begründung: Die Anamneseerhebung über eine Bezugsperson stelle bei normalem Gesundheitszustand den Regelfall dar und sei deshalb mit der GOÄ-Ziffer 1 abgegolten.


Bei welchen Erkrankungen?

Laut LG Karlsruhe bezieht sich die Leistung nicht auf relativ „einfache" Erkrankungen (z. B. Erkältungen, Gastroenteritis, Still- und Ernährungsberatung, Impfung und Sichelfüße). Des Weiteren wird empfohlen, auf die Berechnung der GOÄ-Ziffer 4 bei „Alltagserkrankungen" zu verzichten. Auch wenn mehrere „einfache" Erkrankungen vorliegen, rechtfertige dies nicht die GOÄ-Ziffer 4. Dagegen kann bei Systemerkrankungen, Asthma, Diabetes und anderen chronischen Erkrankungen sowie Malignomen und schweren Infektionen die GOÄ-Ziffer 4 berechnet werden.

 

Dokumentieren Sie möglichst genau die besonderen Umstände und geben Sie diese auf der Rechnung an. Das erleichtert die Erstattung der GOÄ-Ziffer 4.

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