Die GOÄ: Wissen, was wichtig und richtig ist – damit die Privatliquidation stimmt.

2010

GOÄ-Nr. 4

Erhebung der Fremdanamnese über einen Kranken und/oder Unterweisung und Führung der Bezugsperson(en) im Zusammenhang mit der Behandlung eines Kranken.

Bewertung  

 

220 Punkte

Faktor

1,0

12,82 €

Schwellenwert

2,3

29,49 €


Die Leistung ist nur einmal im Behandlungsfall berechnungsfähig.

Sie ist nicht neben den Nrn. 15, 21, 25, 26, 30, 31, 34, 45, 46, 435, 801, 806, 807, 816, 817 und/oder 835 berechnungsfähig.

Eine zeitliche Vorgabe für die Dauer dieser Gesprächsleistung, wie zum Beispiel bei der Ziffer 3 mit mindestens 10 Minuten, gibt es bei der Nr. 4 nicht. Grundsätzlich ist aber zu bedenken, dass die Angemessenheit des Arzthonorars gewahrt sein muss. Da Nr. 3 nur mit 150 Punkten bewertet ist, die Nr. 4 aber mit 220 Punkten, sollte auch bei der Abrechnung der Nr. 4 ein entsprechend angemessener Zeitaufwand vorliegen und dokumentiert sein.

Der Leistungslegende lässt sich nicht entnehmen, dass die Leistung nur abgerechnet werden kann, wenn es um Angehörige von behinderten Kindern oder bewusstseinsgestörten Patienten oder Unfallpatienten geht. Entsprechend dem Grundgedanken des Verordnungsgebers sollte die Anamneseerhebung oder Unterweisung der Bezugsperson jedoch mit einem gewissen Maß an Schwierigkeit und Aufwand verbunden sein.

Wir dürfen hierzu auf ein erst jetzt publiziertes Urteil des Landgerichts Karlsruhe vom 14.03.2001 (Az 1 S 90/98) verweisen, auf das die Kostenträger verstärkt Bezug nehmen. Danach beziehe sich diese Leistung nicht auf relativ "einfache" Erkrankungen und es wird dabei empfohlen, dass der Arzt auf die Berechnung der Nr. 4 bei "Alltagserkrankungen" verzichte.

Als "einfache" Erkrankungen sah das Landgericht Karlsruhe nicht nur Erkältungen, Gastroenteritis und einen Abszess an, sondern sogar eine Still- und Ernährungsberatung, eine Impfung und auch Sichelfüße; dies würde sogar dann gelten, wenn mehrere dieser Erkrankungen aufträten.

Relativ anerkannt sind zum Beispiel Systemerkrankungen, Asthma, Diabetes und andere chronische Erkrankungen, Malignome und schwere Infektionen. Im Zweifelsfalle sollte eine Dokumentation der besonderen Umstände deutlich erfolgen und bereits in der Rechnung mit angegeben werden.

Ferner auch der Hinweis, dass die Legende der Nr. 4 zweigeteilt ist:
Danach können Anamneseerhebungen mit Fremdpersonen mit der Nr. 4 abgerechnet werden, allerdings nicht deren Unterweisung/Führung. Damit sind z. B. aufwendige Anamneseerhebungen auch mit Pflegepersonal in Alten- und Pflegeheimen grundsätzlich mit der Nr. 4 berechenbar, wenn sie einen bestimmten Aufwand und Schwierigkeitsgrad um-fassen. Unterweisungen an das Pflegepersonal sind jedoch nicht mit der Nr. 4 abrechenbar, unabhängig von deren Aufwand.

Bei Gesprächen mit Bezugspersonen kann die Nr. 4 abgerechnet werden, wenn entweder eine Fremdanamnese erforderlich ist oder auch "nur" eine Unterweisung und Führung erfolgt; dies gilt selbstverständlich auch für die pflegenden Angehörigen.

Die Abrechnung kann nur einmal im Behandlungsfall erfolgen - unabhängig davon, mit wie viel Personen Kontakte bestanden haben. Es müssen nicht mehrere Kontakte erfolgen und der Patient muss dabei auch nicht persönlich anwesend sein. Die Leistung kann auch telefonisch erbracht werden.

Auch ist die Nr. 4 neben der Nr. 1 berechenbar - wenn sich nicht sämtliche Leistungs-bestandteile der Nr. 1 und Nr. 4 allein auf die Bezugsperson beziehen. Bei Kleinkindern oder nur sehr eingeschränkt verständigen Patienten läuft allerdings sowohl die Anamnese als auch die Weisung und Führung grundsätzlich über die Bezugsperson. Diese sogenannte "mittelbare" Beratung rechtfertigt dann nicht die Abrechnung der Nr. 4.

Die Altersgrenze, ab der ein Kind sowohl selbst beraten werden kann als auch eine Unterweisung der Bezugsperson nötig sein kann, wird bei sechs Jahren gesehen. Abhängig vom Schwierigkeitsgrad der Erkrankung kann dann ab einem gewissen Alter des Kindes weder die Erhebung der Anamnese noch die Unterweisung und Führung der Bezugsperson als medizinisch notwendig betrachtet werden.

Zu diesem Thema existieren auch Stellungnahmen der Bundesärztekammer im Deutschen Ärzteblatt vom 10.09.1999 und 19.06.2009, sowie eine Stellungnahme der Bayerischen Landesärztekammer vom 16.02.2006.

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